Mythos „Trümmerfrauen“: Die Geschichte eines deutsch-deutschen Erinnerungsortes

25.11.2014, 18 Uhr: IG Farben Haus, Campus Westend, Frankfurt am Main

Die „Trümmerfrau“ gehört zum festen Repertoire nahezu jeder historischen Darstellung der Nachkriegszeit, ganz gleich ob in TV- und Printmedien, in Schulbüchern oder in Ausstellungen der historischen Museen. Vor diesem Hintergrund spürt Leonie Treber in ihrem Vortrag dem Mythos der „Trümmerfrauen“ nach. Sie stellt dar, wie die Enttrümmerung der Städte stattgefunden hat und welche Rolle dabei den deutschen Frauen zukam. Davon ausgehend zeigt sie, wie der Mythos der „Trümmerfrau“ in der unmittelbaren Nachkriegszeit entstanden ist und mit welchen Bedeutungsinhalten er seitdem in BRD, DDR und dem wiedervereinten Deutschland aufgeladen wurde bzw. wird.

Koblenz, Trümmerfrauen

Leonie Treber ist Zeithistorikerin und hat 2013 an der Universität Duisburg-Essen promoviert. Die dabei entstandene Arbeit ist im Sommer 2014 im Klartext Verlag erschienen, unter dem Titel: Mythos Trümmerfrauen. Von der Trümmerbeseitigung in der Kriegs und Nachkriegszeit und der Entstehung eines deutschen Erinnerungsortes.

Kritischer Rundgang über den IG Farben Campus. Geschichte eines Kampfs um Aufarbeitung der Vergangenheit

Termine der Rundgänge der Initiative Studierender am IG Farben Campus:

26.09.2014, 13 Uhr
10.10.2014, 16 Uhr
21.10.2014, 18.30 Uhr

Treffpunkt ist jeweils im IG Farben Foyer.

Der Umzug der Frankfurter Universität vom Campus Bockenheim auf den Poelzigplansogenannten Campus Westend, ehemals Hauptverwaltung der IG Farbenindustrie AG, die in mehrfacher Weise an der Shoah beteiligt war, wurde von Anfang an von geschichtspolitischen Auseinandersetzungen zwischen Universität, Studierenden, Fritz Bauer Institut und Überlebenden des von der IG Farben betriebenen KZ Auschwitz III Monowitz begleitet.
Dass sich auf dem von uns IG Farben Campus genannten Gebiet heute Zeugnisse der Geschichte dieses Ortes finden, ist nicht etwa durch die Universität, sondern gegen sie durchgesetzt worden. Eingefordert und erzwungen werden sollte ein Umgang der Universität mit diesem Ort, der wenigstens in Ansätzen mit »Aufarbeitung der Vergangenheit« beschrieben werden kann; oftmals erfolglos. Wesentliche Forderungen wie die nach der Umbenennung des Grüneburgplatz in Nobert-Wollheim-Platz befinden sich erst jetzt, nach einem Jahrzehnt, in Umsetzung. Aber immerhin, so muss man sagen, gibt es mittlerweile einiges, was an die Geschichte der IG Farben erinnert.
Die Führung soll die wesentlichen Etappen dieses Kampfs um Aufarbeitung der Vergangenheit anhand einiger Orte auf dem IG Farben Campus rekonstruieren. Dabei soll sowohl die Architektur des IG Farben Hauses, die Teile der Dauerausstellung zur IG Farben AG, die Gedenkplatten sowie das Norbert-Wollheim-Memorial vorgestellt werden.

 

Die Rundgänge im Oktober finden im Rahmen der “mieten? Ja wat denn??”-Wochen statt.

Mitschnitte der Veranstaltungsreihe “Studieren nach Auschwitz”

Das Forum für kritische Wissenschaften dokumentiert seit einiger Zeit interessante, kritische Veranstaltungen in und um Frankfurt am Main.
Dort finden sich auch Mitschnitte von der Veranstaltungsreihe “Studieren nach Auschwitz”, die die Initiative Studierender am IG Farben Campus im Sommersemester 2013 organisierte. Mitschnitte gibt es von den Vorträgen zum ersten Mai 1933 von Nikolas Lelle und zur Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933 von Johannes Rhein.

hier finden sich die Mitschnitte:

und hier findet sich die Homepage des Forum für kritische Wissenschaften:
fkw-ffm.tumblr.com

Resolution für die Umbenennung des Grüneburgplatzes in Norbert-Wollheim-Platz

Norbert Wollheim. Postkarte

Kurzfristig ist bekannt geworden, dass der Senat der Johann Wolfgang Goethe Universität sich am 18.06., also kommende Woche mit der seit 2004(!) bestehenden Forderung des Komitees der Überlebenden von Buna-Monowitz auseinandersetzen wird, den Grüneburgplatz vor dem IG-Farben-Haus in “Norbert-Wollheim-Platz” umzubenennen. Seit nunmehr 10 Jahren besteht diese Forderung gegenüber Stadt und Universität.

Mit dieser Petition möchten wir sowohl an den Senat der Johann Wolfgang Goethe Universität, als auch den Ortsbeirat Bockenheim / Westend appellieren, die Umbenennung durchzusetzen.
Weiterlesen

Studieren nach Auschwitz. Diskus-Heft mit der Initative Studierender am IG Farben Campus

In Zusammenarbeit mit der Diskus-Redaktion hat die Initiative Studierender am IG Farben Campus das Diskus-Heft Studieren nach Auschwitz veröffentlicht. Darin werden Texte aus 15 Jahren Auseinandersetzung um die Goethe-Universität und den IG-Farben-Campus gesammelt.

Im Hinblick auf die Geschichtsbewältigungsversuche der Frankfurter Universität und die 100 Jahr Feierlichkeiten 2014 heißt es im Editorial:

Ziel kann es nur sein, die Idiotie universitärer Vergangenheitsbewältigung publik zu machen und zu hoffen, dass die Studierenden und Mitarbeiter_innen der Universität dem nicht gleichgültig gegenüber stehen.

diskus#13-1_coverIn dem Heft geht es  unter anderem um die Architektur des IG-Farben-Hauses und wie mit diesem umgegangen werden sollte, aber auch um die Neubauten, die sich ekelhaft geschichtsvergessen an die älteren Gebäude anschmiegen, um die Geschichte der Interessen-Gemeinschaft Farbenindustrie AG und ihres Konzentrationslagers Monowitz, um den unsäglichen Umgang der jeweiligen Uni-Präsidenten mit dem neuen Campus und um das Engagement Frankfurter Studierender bei den Bücherverbrennungen 1933.

Alle, die noch keine Druckausgabe haben, können das Heft hier downloaden:

http://www.copyriot.com/diskus/2013-01/13-01_web.pdf

Buch & Kritik 2014 – „Verschenkte Gelegenheiten“. Buchvorstellung mit Magnus Klaue (Berlin)

klaue-verschenkte.gelegenheitenDonnerstag, 13.02.14, 20 Uhr, Café KoZ, Mertonstraße 26, Frankfurt
„Verschenkte Gelegenheiten“
Buchvorstellung und Diskussion mit Magnus Klaue (Berlin)

In einer Welt, in der sie nicht nur, wie früher auch schon, mit gesellschaftlicher Ohnmacht geschlagen, sondern zum objektiven Anachronismus, zur nur noch lästigen Erinnerung an Unabgegoltenes wurde, ist kritische Theorie zur Parodie ihrer selbst heruntergekommen: Sei es, daß man sie durch mehr oder minder redliche akademische Pflege als immer noch bessere Alternative im Angebot der Denkstile konserviert; sei es, daß man sie als Statthalter einer obskuren intellektuellen Radikalität und Militanz mißversteht, die in Wahrheit nur als Obsession ihrer Verfechter existiert; sei es, daß man sie als Kampfplatz um die jeweils neuesten geistigen Bekenntnisse und Distinktionen in den Dienst nimmt. Nur mehr von marginalen Splittergruppen und aggressiv oder tiefsinnig herumräsonierenden Lesekreisen ernst genommen, verliert sie gerade dadurch ihren Ernst und droht objektiv kryptisch, zu einer besonders elaborierten Form von Obskurantismus zu werden, so daß man, wie Clemens Nachtmann jüngst bemerkte, versucht ist, von der Lektüre Adornos abzuraten, weil Einfalt gegenüber dem Gegenstand offener ist als solches falsche Verstehen. Durch ihre Popularisierung oder vermeintliche Aktualisierung ist dem so wenig abzuhelfen wie durch die immer beliebtere sprachliche Übung, die eigene Sprache durch Nachstellung des “sich” und frankophone Einsprengsel gerade dann bedeutungsschwer zu adornisieren, wenn man dem Gehalt von Adornos und Horkheimers Denken längst abgeschworen hat. Demgegenüber sollte daran erinnert werden, wie kritische Theorie ihren Anfang nahm: weder als sogenannte kritische Gesellschaftstheorie (die vielmehr ihre Schrumpfform ist) noch als Anweisung auf irgendeine Praxis, sondern als freie, das heißt der Sache nicht nur verpflichtete, sondern sich ihr vorbehaltlos hingebende Reflexion der Erfahrung von Wirklichkeit: in Horkheimers “Dämmerung”, Adornos “Minima Moralia”, Benjamins “Einbahnstraße” und “Berliner Kindheit um 1900″ und den Feuilletons Siegfried Kracauers, mit sogenannten unsystematischen, gerade darin aber auf Verbindlichkeit zielenden, in ihrer Subjektivität das bloß Subjektive überschreitenden Texten also, denen die Untrennbarkeit von Sprach- und Denkform stets gegenwärtig blieb. Vortrag und Buch versuchen diesen Zusammenhang zu vergegenwärtigen und auf den Einzelnen zurückzuwenden, weil nur im Einzelnen, nicht in durch Bekenntnisse und gegenseitige Verachtung zusammengehaltenen Gruppen, die Hoffnung bewahrt bleibt, daß es irgendwann doch begriffen wird.

Veranstalter: Initiative Studierender am IG Farben Campus und Prozionistische Linke Frankfurt

Unterstützer: AStA der Universität Frankfurt und Ca Ira Verlag 

Auschwitz – Monowitz: ein zu bestimmendes Verhältnis [Asta-Zeitung, FFM 01/2013]

„Diese Vergangenheit nicht zu kennen heißt, sich selbst nicht zu begreifen.“
(Raul Hilberg im Vorwort zur deutschen Ausgabe seines Werks Die Vernichtung der europäischen Juden)

I. Im inneruniversitären Frankfurter Diskurs, weisen seit dem Umzug der Universität auf den sogenannten Campus Westend verschiedene Gruppen immer wieder auf das Konzentrationslager Monowitz hin. Sie betonen, dass es wichtig ist, sich mit Monowitz als eigenständigem Konzentrationslager auseinanderzusetzen; gerade auch, um damit die Verbindung mit dem IG Farben Campus begreifen zu können. Die Schwierigkeit besteht darin, Monowitz in seiner Besonderheit zur Sprache zu bringen, ohne aus dem Blick zu verlieren, dass Monowitz eines der Konzentrationslager Auschwitz’ war. Im Folgenden sollen einige Überlegungen zum Verhältnis von Auschwitz und Monowitz angestellt werden.
Weiterlesen