„Norbert Wolleim Universität“

Im Zuge des Bildungsstreiks Frankfurter Studierender und während der Besetzung des Casino Gebäudes auf dem IG Farben Campus, wurde die Universität von ihnen in „Norbert Wollheim Universität“ umbenannt. Die Initiative Studierender am IG Farben Campus begrüßt diese Aktion ausdrücklich und freut sich darüber sehr. Das Casino ist zwar seit Mittwoch Abend geräumt, allerdings hing das Transparent am Freitag Abend während der Demonstration gegen die polizeiliche Räumung immernoch. Als die Demo an der Uni vorbeizog, wurde von dieser „Norbert Wollheim Universität“ gerufen. Eine Erklärung der Umbenennung wird hier noch nachgereicht, hier erstmal ein Foto der gelungenen Umbenennungs-Aktion:

Werbeanzeigen

Hello, my name is: IG Farben

Dass, was man beschönigt »Campus Westend« nennt, davor versucht hat als das »Poelzig-Ensemble« zu etablieren und was im Vorlesungsverzeichnis des öfteren den völlig sinnfreien Namen IG-Hochhaus trägt und mittlerweile auch in öffentlichen Uni-Dokumenten und Veranstaltungsankündigungen konsequent so sinnfrei verwendet wird – also der Campus auf dem du dich gerade bewegst – dass war einmal das Hauptverwaltungsgebäude der Interessengemeinschaft Farben AG, kurz: IG Farben Weiterlesen

Veranstaltung zum 09. November und Katalog

Wie hier bereits angekündigt wurde, gab es zu den Novemberpogromen von 1938 einen Infotisch mit Büchern und Materialien, sowie eine Bilderprojektion. Bei den Bildern handelte es sich um Orte in Frankfurt an denen in der Nacht vom 09. auf den 10. November 1938 jüdische Bürgerinnen und Bürger betroffen waren: Synagogen, Geschäfte, Privatwohnungen, Kulturelle Einrichtungen. Allerdings wurde nicht auf historische Bilder zurückgegriffen, sondern die Orte wurden recherchiert und, wenn noch auffindbar, im Frankfurt 2009 fotografiert. Dabei waren natürlich nicht nur manche Straßen und Hausnummern nicht mehr vorhanden, sondern selbst bei der Recherche kann man selbstverständlich nicht alle Orte ausmachen, an denen Verbrechen an den Frankfurter Juden begangen wurden.

Es war Teil der Praxis gemeinsam die Orte zu begehen und zu Fotografien, wobei diese netterweise von Marc Krause gemacht wurden. Aus diesen Bildern wurde ein Katalog erstellt, der nun hier zur Dokumentation zugänglich ist. Zusätzlich gab es ein Flugblatt, was über die Geschehnisse in Frankfurt und im Deutschen Reich generell aufklärt und dies in einen Kontext setzt.

Zum 09. November 1938

Dieses Flugblatt wurde anlässlich der Veranstaltung zum 09. November verteilt.

I. Novemberpogrom in Frankfurt

In den frühesten Morgenstunden des 10. November 1938 wurden vielleicht schon die Sirenen der Feuerwehren gehört. In den meisten Fällen erfuhr man an diesem Donnerstagmorgen wohl als Erstes, dass die Synagogen brannten. Einige Männer kehrten von ihrem Weg zum Frühgottesdienst zurück, schnell versuchten die Leute sich telephonisch zu verständigen. Andere hörten auf der Straße, dem Weg zur Arbeit oder zur Schule von den Bränden, deren Rauch in den Strassen hing. Andere wurden schon in ihren Wohnungen überrascht, die Scheiben eingeschmissen, die Einrichtung zertrümmert, sie wurden aus den Wohnungen geholt und geprügelt. Manche wurden willkürlich verhaftet, auch von Männern und Jugendlichen in Zivil, größtenteils wohl von SA und HJ. Die Hauptsynagoge in der Börnestraße, die große Synagoge am Börneplatz und die Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft an der Friedberger Anlage standen in Flammen. Auch die Westendsynagoge war verwüstet und brannte von innen völlig aus. Die Feuerwehr war angerückt, nicht um zu löschen, sondern um das Übergreifen auf umliegende Gebäude zu verhindern. Auch Polizisten griffen nicht ein, sondern sollten nur “Unruhen” verhindern, was vor allem bedeutete, den Verkehr zu regeln. Vor den Synagogen hatten sich Menschen versammelt, deren Reaktionen von Erschütterung bis zu antisemitischem Gepöbel reichte, größtenteils wohl ein teilnahmslos-wohliges Schauern. Von offen geäußerter Empörung ist jedenfalls nichts bekannt. Wo das erste Feuer nicht ausreichte, wurde, wie an der Friedberger Anlage, das Feuer an die vier- oder fünf-mal neu entfacht. Es wurde klar, dass alle Synagogen brannten und immer mehr Verhaftungen wurden bekannt. Schülerinnen und Schüler standen am Philantropin und der Samson-Raphael-Hirsch-Schule vor verschlossenen Türen und wurden wieder nach Hause geschickt. Weiterlesen

Workshops im Rahmen der Casino Besetzung auf dem IG Farben Campus

Im Rahmen der Besetzung des Casinos auf dem IG Farben Campus im Zuge des Bildungsstreik bietet die Initiative zwei Workshops an.

Kritische Führung (Initiative Studierender am I.G. Farben-Campus)

Dienstag 14-16h

Auf dem Gelände und in den Gebäuden des neuen, sogenannten »Campus Westend« der Frankfurter Goethe-Uni befand bis zur Niederlage des Nationalsozialismus die Verwaltungszentrale der I.G. Farben, die eng mit dem nationalsozialistischen Regime verknüpft war und unmittelbar am antisemitischen Massenmord profitieren konnte. Der Historiker Raul Hilberg kam zu dem Schluss: “Die I.G. Farben war kein bloßes Unternehmen; sie war ein bürokratisches Imperium und ein Hauptfaktor der Vernichtungsmaschine.” Bei der kritischen Führung über das I.G. Farben-Gelände, den heutigen Campus und durch das Wollheim-Memorial steht die Geschichte der I.G. Farben und die Erinnerung an die Opfer von Vernichtung und Zwangsarbeit im Mittelpunkt.

»Studieren nach Auschwitz« – Unkonstruktive Bemerkungen zum schönsten Campus Deutschlands (Initiative Studierender am I.G. Farben-Campus)

Mittwoch 12-14

In dem Workshop sollen – auch im Anschluss an die kritische Führung (s.o.) – einige Thesen zu einer Universität vorgetragen und diskutiert werden, die den schönsten Campus Deutschlands an einem Ort behauptet, der unmittelbar mit Auschwitz und dem antisemitischen Massenmord verbunden ist. Neben der Vergangenheitspolitik der Universität und ihrer Selbstinszenierung auf dem I.G. Farben-Campus soll nicht zuletzt auch die Frage diskutiert werden, was es bedeutet, an diesem Ort zu studieren.