Studieren nach Auschwitz. Universität und Nationalsozialismus. Das Programm.

Die Initiative freut sich alle Interessierten zu der am 20. Mai beginnenden Veranstaltungsreihe herzlich einzuladen. Hiermit möchten wir das Programm bekannt geben, welches es auch als PDF zum herunterladen gibt. Alle Veranstaltungen finden auf dem IG Farben Campus im Frankfurter Westend statt, Beginn ist jeweils um 20:00 Uhr.

»Studieren nach Auschwitz«

Universität und Nationalsozialismus.

Einladung zur Veranstaltungsreihe der

Initiative Studierender am IG Farben Campus

Nach dem Aufsatz Erziehung nach Auschwitz von Theodor W. Adorno muss vor allem die Fähigkeit zur Reflexion zum Ziel von Bildung und Erziehung nach Auschwitz werden. In diesem Sinne möchte die Initiative Studierender am IG Farben Campus zu einer Veranstaltungsreihe einladen, während der in einem breiten thematischen Spektrum das Verhältnis von Universität und damit auch von Bildung und Kultur zum Nationalsozialismus diskutiert werden soll, um somit die Möglichkeit zur Reflexion der Geschichte der eigenen Institution zu eröffnen.

Nach langen Auseinandersetzungen ist ein Rahmen für die Erinnerung an die vielen Ermordeten und wenigen Überlebenden des von der IG Farben betriebenen KZ Buna/Monowitz auf dem IG Farben Campus entstanden, allerdings lässt sich nirgends ein Zeichen der nationalsozialistischen Vergangenheit der Goethe-Universität finden.

Da die Universität schon seit dem Umzug 2001 proklamiert, das IG Farben-Gebäude zum „Palast des Geistes“ umzudeuten, und damit Universität und Bildung unvermittelt als Bruch und in Gegensatz zur nationalsozialistischer Vergangenheit stellt, soll in der Veranstaltungsreihe gerade auf das Scheitern von Kultur im Nationalsozialismus reflektiert werden. Das wird an der Institution der Universität selbst deutlich, hat sich diese doch vom „undeutschen Geiste“, Lehrenden und Studierenden reinigen und in die antisemitische Volksgemeinschaft integrieren lassen – sei es mit geisteswissenschaftlicher Ideologieproduktion, naturwissenschaftlicher Rassenlehre oder Kampfstoffforschung.

Mit der Veranstaltungsreihe soll auf diese Lücke hingewiesen und versucht werden, sie inhaltlich zu füllen. Dazu sind sowohl Lehrende als auch Studierende aus Frankfurt, wie auch bundesweit, eingeladen worden, um die Diskussion in der Öffentlichkeit anzuregen.

Programm

alle Veranstaltungen finden im IG Farben-Haus auf dem Campus im Frankfurter Westend statt. Beginn ist jeweils um 20 Uhr

Montag, 10. Mai, Hörsaalzentrum

Initiative Studierender am IG Farben Campus

Jahrestag der Bücherverbrennung

Am Montag, den 10. Mai, findet ab 12:00 Uhr im Foyer des Hörsaalzentrums auf dem IG Farben- Campus eine Informationsveranstaltung der Initiative Studierender am IG Farben Campus zum Jahrestag der Bücherverbrennung 1933 statt. Diese ist verbunden mit der Forderung nach einer dauerhaften Ausstellung am IG Farben Campus, welche sich mit der Geschichte der Universität im NS auseinandersetzt und gleichzeitig der Auftakt einer Veranstaltungsreihe unter dem Titel: „Studieren nach Auschwitz- Universität und Nationalsozialismus“.

Donnerstag, 20. Mai, Raum IG 0.254

Dr. habil. Benjamin Ortmeyer, Frankfurt

NS-Rektor Krieck 1933 und die geisteswissenschaftliche Pädagogik im Nationalsozialismus

1933 wurde Ernst Krieck der erste Nazi-Rektor an der Frankfurter Goethe-Universität. Gleichzeitig entwickelte die deutsch-nationale „Stahlhelm-Fraktion“ der geisteswissenschaftlichen Pädagogik (Spranger, Nohl, Weniger) eine „differenzierte“ Unterstützung des NS-Systems: Der Slogan „Der positive Kern des Nationalsozialismus“ müsse gefördert werden.

Mittwoch, 26. Mai, Raum IG 0.254

Florian Eisheuer, Berlin

Umbenennen, verdrängen, weitermachen – Ethnologie im NS und danach

Die Geschichte der Ethnologie im und nach dem Nationalsozialismus ist eigentlich eine typisch deutsche: nicht nur, dass viele Ethnologen ihre Karrieren lückenlos fortsetzen konnten, auch Teile des mit national-sozialistischer Ideologie kompatiblen Theoriegebäudes wurden über das Jahr 1945 hinaus gerettet und wirken bis heute im Fach nach. Im Unterschied zu anderen wissenschaftlichen Disziplinen waren allerdings mit „Volk“, „Kultur“ und zeitweise auch „Rasse“, eben jene Begriffe sinnstiftend für die Ethnologie, die auch im völkischen Nationalismus und Nationalsozialismus ihren festen Platz hatten. Eine kritische Analyse der ethnologischen Fachgeschichte eignet sich deshalb in besonderer Weise dafür, Transformationsprozesse der postnazistischen Gesellschaft zu veran-schaulichen.

Mittwoch, 2. Juni, Raum IG 0.254

Initiative Studierender am IG Farben Campus

An den Grenzen des Geistes. Über Jean Amérys Erfahrung als Intellektueller in Auschwitz.

Ein Gespräch. Eine Annäherung.


Mittwoch, 9. Juni, Raum IG 0.254 ACHTUNG: Veranstaltung wird Verschoben. Neuer Termin ist der 01. Juli, Raum IG 0.254, 20:oo Uhr

Free Class FaM

Vom Ort der Barbarei zum Ort der Kunst

Die Leitung des IG Farben Campus wird nicht müde die „zivilisierende Kraft der Ästhetik“ zu beschwören. Mit skurril-kritischem Kunstverständnis sollen dabei die Geister der nationalsozialistischen Geschichte dieses Ortes befriedet und zugleich mahnend gegen studentische Proteste in Stellung gebracht werden. Anhand des Beispiels der pseudo-kritischen Selbstvergewisserung der Goethe-Universität lassen sich dabei sowohl veränderte Legitimationsstrategien herrschender Verhältnisse diskutieren, als auch Veränderungen von Produktionsbedingungen der Kunst selbst – besonders in jenem Feld, das sich als kritisches Kunstfeld versteht.

http://freeclassfrankfurt.wordpress.com/

Dienstag, 15. Juni, Raum IG 0.254

Magnus Klaue, Berlin

Das dialogische Prinzip und die deutsche Ideologie

Seit Martin Buber im Adenauer-Deutschland den Gedanken des „dialogischen Prinzips“ als Modus kultureller „Versöhung“ in die Welt gesetzt hat, lobt man hierzulande immer wieder gern den „dialogischen“ Charakter jüdischer Philosophie als „Beitrag“ zur interkulturellen Verständigung. Freilich hat sich die Ideologie des „Dialogs“ seither mehrfach runderneuert und den altbacken-hermeneutischen Grundton, der ihr im Nachklang Gadamers eignete, zunächst gegen ein protestantisch versachlichtes Modell der „Kommunikation“ (Habermas) und dann gegen das nur scheinbar gegenläufige postmoderne Lob des „Widerstreits“ (Lyotard) eingewechselt. All diese Ansätze gleichen sich jedoch in ihrem Ressentiment gegen den WIDERSPRUCH als artikulierten Ausdruck einer antagonistischen Wirklichkeit. Weshalb Widerspruch nicht dasselbe ist wie „Widerstreit“, weshalb die deutsche Dialogideologie die Dialektik des sokratischen Dialogbegriffs verrät und warum Versöhnung nichts mit „Verständigung“ zu tun hat, sondern im Gegneteil aller pathetischen Konsensversessenheit ein Ende bereiten würde, soll der Vortrag erläutern.

Mittwoch, 16. Juni, Raum IG 0.254

Kritische Jurist_innen, Frankfurt

Gebrochene Kontinuitäten. Die deutsche Jurisprudenz nach dem Nationalsozialismus

In kaum einem anderen Wissenschaftsbereich gab es einen solch nahtlosen Übergang zwischen dem NS und der BRD wie in den Rechtswissenschaften. Viele NS-Juristen bekleideten auch in der BRD hohe Funktionen und waren weiterhin entscheidend für den Rechtsdiskurs. Auch viele Standardwerke der Jurist_innenausbildung wie der BGB-Kommentar von Otto Palandt, der GG-Kommentar von Theodor Maunz oder die Lehrbücher von Karl Larenz haben ihre Wurzeln im NS.
Der Mythos der objektiven und neutralen Gesetzesanwendung rettete viele NS-Richter und Juristen – über die Zeit der Entnazifizierung hinweg – in das BRD Gerichts- und Ausbildungssystem.
In dieser Veranstaltung wollen wir zunächst die Rechtstheorie des NS und die juristische Begründung der NS-Ideologie und Verbrechen nachvollziehen, um dann aufzuzeigen welche Teile dieser Ideologie auch nach 1945 denn Rechtsdiskurs bestimmt haben und auf welche Weise dies geschah.

http://akjffm.blogsport.de/

Dienstag, 22. Juni, Raum IG 0.254

Monica Kingreen, Frankfurt

Zurück nach Frankfurt – Rückkehr jüdischer Emigranten in ihre Heimatstadt

Monica Kingreen berichtet über die bisher kaum erforschte Remigration jüdischer Frankfurter nach Frankfurt, insbesondere auch an die Frankfurter Universität, ab 1945.

Mittwoch, 23. Juni, Raum IG 0.254

Prof. Dr. Volker Roelcke, Gießen

Medizin im Nationalsozialismus und das Institut für Erbbiologie und Rassenhygiene der Universität Frankfurt: Historische Kenntnisse, mögliche Implikationen.

Nach dem Antrag der medizinischen Fakultät wurde 1935 an der Frankfurter Universität ein Institut für Erbbiologie und Rassenhygiene eingerichtet, dass der Leitung des eigens aus Berlin berufenen Otmar Freiherr von Verschuer unterstand. Hier wurde neben der rassetheoretischen Erfassung der Bevölkerung im Rhein-Main-Gebiet auch “erbärztliche Praxis” betrieben und zahlreiche Gutachten für Zwangssterilisationen ausgestellt. Das Frankfurter Institut war eines der größten rassetheoretischen Forschungseinrichtungen im Nationalsozialismus. Dieses Kapitel der Medizingeschichte soll auch in seiner Bedeutung für eine heutige Ethik der Medizin dargestellt werden.


Montag, 28. Juni, Raum IG 0.254

AG Antisemitismus, Trauma, Tradierung, Frankfurt

Traumatisierte Täter? Zur kulturwissenschaftlichen Relativierung der Shoah

Das Konzept des Traumas hat in den vergangenen Jahren unter kulturwissenschaftlichen Vorzeichen eine entscheidende Wendung erfahren: aus einer psychoanalytischen Kategorie ist ein kulturelles Deutungsmuster geworden. Für den deutschen Erinnerungsdiskurs bedeutet dies: auch die Täter rücken zunehmend in den Fokus der kulturwissenschaftlichen Traumatheorie. Die Rede vom „Tätertrauma“ (Bernhard Giesen) bzw. vom „deutschen Trauma“ (Aleida Assmann) hat inzwischen ihren festen Platz im Erinnerungsdiskurs. Diesen Diskurs wollen wir in unserer Veranstaltung einer Kritik unterziehen: Wenn auch die Täter gelitten haben, womöglich sogar traumatisiert sind, dann erfuhren Täter wie Opfer die Geschichte ähnlich. Wir wollen daher fragen, inwiefern die radikale Trennung von Opfern und Tätern, die den Kern der antisemitischen Verfolgungs- und Vernichtungsgeschichte der Shoah bildet, relativiert, und durch diese Relativierung die Möglichkeit der Aufrechnung und der Parallelisierung von Leid ermöglicht wird.

Mittwoch, 30. Juni, Raum IG 0.254

PD Dr. habil. Werner Konitzer, Frankfurt

Philosophie, Volk und Gewalt – zur Rechtfertigung des Nationalsozialismus bei Hans Freyer

Nicht wenige Philosophen haben sich auf der Seite des Nationalsozialismus engagiert. Bis heute wird dieses Engagement eher als eine Anpassung an herrschende Umstände dargestellt. Das gilt nicht für Hans Freyer. Wie Martin Heidegger, Carl Schmitt, Arnold Gehlen bemühte er sich, den Geist der nationalsozialistischen Bewegung mit zu prägen und auf den Begriff zu bringen. Tatsächlich zählen maßgeblich ideologisch inspirierte Haupttäter des Völkermords aus der „Generation des Unbedingten“ (Michael Wildt) zu seinen Schülern. In dem Vortrag wird Werner Konitzer sich vor allem mit Freyers Buch „Ethik des Politischen Volkes“ aus dem Jahre 1934 beschäftigen. Außerdem wird er auch einige Bemerkungen dazu machen, wie dieses Kapitel deutscher Philosophiegeschichte bis in die Gegenwart hinein in Deutschland diskutiert wurde.

Mittwoch, 7. Juli, Raum IG 0.254 ACHTUNG: RAUM- UND ZEITÄNDERUNG: Raum NG, 2.701, 18:00 Uhr

PD Dr. Samuel Salzborn, Gießen

Kritische Theorie der Politik. Franz L. Neumann und die Frankfurter Schule

Franz L. Neumann versuchte in seinen Schriften eine Verknüpfung von rechts- und politikwissenschaftlichen Ansätzen mit den Perspektiven der Kritischen Theorie. Berühmt wurde er durch seine Analyse des Nationalsozialismus in dem Werk „Behemoth. Struktur und Praxis des Nationalsozialismus“. Seine Arbeiten waren geprägt von der Auseinandersetzung mit drei deutschen Staatssystemen und vermittelt durch seine Erfahrungen im britischen und amerikanischen Exil. In dem Vortrag soll der Versuch einer Vermittlung zwischen Neumanns theoretischen Positionen und seinen biografischen Erfahrungen unternommen werden.

Alle Veranstaltungen finden im IG Farben-Haus auf dem neuen Campus im Frankfurter Westend statt. Veranstaltungsbeginn ist jeweils 20 Uhr.

Eventuelle Änderungen werden hier auf dem Blog der Initiative angegeben.


Initiative Studierender am

IG Farben-Campus

https://initiativestudierenderamigfarbencampus.wordpress.com

Die Veranstaltungsreihe wird unterstützt von:

AStA der Universität Frankfurt, Fachschaft 03, Fachschaft 04,

Fachschaft 10, Kritische Jurist_innen Frankfurt

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