Veranstaltung der Buch & Kritik – Reihe

Do., 13.10.11, 19.00 Uhr

Buchvorstellung: „Mein elfter September“ (Conte Verlag)

mit den Autoren Jörg W. Gronius (Saarbrücken) und Alex Feuerherdt (Köln)

Ort: I.G.Farben-Campus der Universität Frankfurt, Raum IG 457, Grüneburgplatz 1

Veranstalter: Initiative Studierender am I.G.Farben-Campus und Prozionistische Linke Frankfurt

Unterstützer: AStA der Universität Frankfurt, Honestly-Concerned und JungdemokratInnen/ Junge Linke Rheinland-Pfalz

Zehn Jahre nach dem Angriff auf das World Trade Center in New York ist es Zeit für eine Rückschau: Wie einschneidend war dieser »Angriff auf die gesamte westliche Welt«? Das Ereignis war so außerordentlich, dass es eine Qualität bekommen hat wie sonst nur etwa die Ermordung John F. Kennedys. Es veränderte nicht nur die politische und militärische Situation in der Welt, sondern hat sich tief in das Bewusstsein unserer Gesellschaft eingegraben. Die Autorinnen und Autoren der Beiträge in diesem Band geben dem Ausdruck. Subjektiv durchwirkte Reflexionen und Berichte, Träume und Albträume, Bilder und Glossen reagieren auf den elften September 2001 und das, was er ausgelöst hat. Die historische Auseinandersetzung hat heute, gerade nach der Tötung Osama Bin Ladens, erst begonnen.

Der Offenbarungseid (nicht nur) der Linken – Ein Resümee, zehn Jahre nach 9/11 „Mir ist erst durch 9/11 wirklich bewusst geworden, was Antiamerikanismus bedeutet und wie prägend er für eine Linke ist, die in ihrer ‚antiimperialistischen’ Abneigung gegenüber den USA bisweilen nicht einmal vor der Annäherung an Islamisten zurückschreckt – getreu dem Leitsatz ‚Der Feind meines Feindes ist mein Freund’ –, obwohl sie dadurch genau jene Versprechungen von Glück und Freiheit verrät, die sie sich doch eigentlich auf ihre Fahnen geschrieben hat. Aus einer vermeintlich fortschrittlichen Gesinnung heraus wird so ziemlich alles, was die Vereinigten Staaten tun und lassen, mit unheilbar gutem Gewissen verworfen, verurteilt und verdammt. Widerfährt den Amerikanern Unheilvolles, dann haben sie es sich redlich verdient, weil sie es selbst verursacht haben – immer. Die Argumentation geriert sich dabei als Ausweis von Vernunft, die Kritik gibt sich als Einsicht in die Notwendigkeit aus. Doch schon die außergewöhnliche Verve, mit der die Anklagen gegen Amerika präsentiert werden, und die bizarre Besessenheit, mit der das Gros der Linken sich auf die USA stürzt, verraten das Ressentiment, das dem stets von vornherein feststehenden Urteil über ‚die Amis’ innewohnt. Dieses Ressentiment – das auch Islamisten, Sozialdemokraten, Grüne, deutsche Liberale und die Rechten auszeichnet – bringt politische Strömungen zusammen, die sonst mehr teilt als eint; es ist sinn- und gemeinschaftsstiftend, nicht zuletzt mit Blick auf die deutsche Geschichte.“ (Auszug aus dem Beitrag von Alex Feuerherdt für das im Conte-Verlag erschienene Buch „Mein Elfter September“)

Alex Feuerherdt (42) ist Lektor und freier Publizist. Er lebt in Köln und schreibt schwerpunktmäßig über den Nahen Osten, u.a. für KONKRET, die Jungle World, die Jüdische Allgemeine und den Tagesspiegel.

Adornos Geburtstag

Feierabend. Am 11. September 2001 fährt ein Werbetexter mit dem Auto von Hannover aufs Dorf nach Hause. Gut 60 Kilometer, auf denen man Radio hören und sich allerlei Gedanken machen kann. Am 11. September 1903 wurde Theodor Ludwig Wiesengrund-Adorno in Frankfurt am Main geboren. Katholisch getauft mit jüdischem Großvater und assimiliertem Vater.

Jörg W. Gronius, 1952 in Berlin geboren, studierte Theaterwissenschaften und arbeitete als Dramaturg und Regisseur. Gronius schreibt Texte über und für das Theater, vor allem Dramen und Libretti. 2002 erschien die Kurzgeschichtensammlung „Das Wunder“, 2003 die Gedichtsammlung „Beckfeld“. Für die autobiographisch motivierte Romantrilogie „Ein Stück Malheur“ (2000), „Der Junior“ (2005) und „Plötzlich ging alles ganz schnell“ (2007) erhielt er den Ben-Witter-Preis.

Sa., 15.10.11, 19.00 Uhr

Buchvorstellung: „Poetischer Enthusiasmus“ (Böhlau Verlag) mit dem Autor Magnus Klaue (Berlin)

Ort: Café Kurzschlusz/ Fachhochschule Frankfurt, Kleiststraße 5

Veranstalter: autonome liste café kurzschlusz

Unterstützer: AStA der FH Frankfurt

Einst für ihren naiven Geist gepriesen oder geschmäht, gilt Else Lasker-Schüler heute als Zeitgenossin in fast jeder Hinsicht. Demgegenüber zeigt die vorliegende Studie, dass der radikale Impuls ihres Œuvres nur erfasst werden kann, wenn die vermeintlich trivialen Gehalte ernst genommen werden, die ihrem Werk bis an die Schwelle des Exils zugrunde liegen und sich als Ästhetik der Kolportage beschreiben lassen. Lasker-Schülers Grundgestus einer polemischen Negation bürgerlicher Hoch- wie populärer Massenkultur wird anhand ihrer Poetik der Kindheit, der Kritik des Kindheitskults Peter Hilles, der Affinität zum Dichtungskonzept Gustav Landauers, der Auffassung von Kitsch und Nonsenspoesie sowie ihrer Poetik der Urbanität nachgezeichnet.

In seiner „Berliner Kindheit um neunzehnhundert“ sowie in der „Einbahnstraße“ beschreibt Walter Benjamin Erfahrungen bürgerlicher Kindheit, die sich auf keine bürgerliche Pädagogik und keine romantische Kindheitsideologie reduzieren lassen. Diese kreisen immer wieder um das Glück einsamen Lesens und Spielens – Szenen einer Selbstvergessenheit, in der Alleinsein nicht Privation, sondern Erfüllung bedeutet und die eine Sehnsucht weckt, an die der Erwachsene sich nicht mehr erinnern darf, will er nicht der universalen Lüge gewahr werden, auf der seine Existenz beruht. An solche kindlichen Lese- und Spielszenen knüpft auch Else Lasker-Schüler an, die von sich behauptet hat, ihre gesamte Dichtung sei im Grunde dem kindlichen Knopfspiel entsprungen. Der Vortrag entfaltet diese Poetik der Kindheit bei Lasker-Schüler in Rekurs auf Benjamin, aber auch in Absetzung zu damaligen pädagogischen und psychologischen Diskussionen über Kindheit.

Magnus Klaue hat sich mit der Arbeit „Poetischer Enthusiasmus. Else Lasker-Schülers Ästhetik der Kolportage“ an der FU Berlin promoviert und lebt derzeit als freier Autor in Berlin.

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