Veranstaltungen zum Semesterbeginn

De-Education – Vom schönsten zum häßlichsten Campus Deutschlands
am Donnerstag, 25.10. um 14.30 Uhr, Treffpunkt vor dem Eingang des IG Farben­Hauses
und
am Samstag, 17.11. um 14 Uhr, Treffpunkt vor dem Eingang des IG Farben­Hauses

Der “Campus Westend” gewinnt mehr und mehr an Gestalt und die vollständige Aufgabe des Bockenheimer Campus ist absehbar. Damit hat sich die Universität nicht nur einen neuen Standort aufgebaut, der untrennbar mit der Geschichte der IG Farben und damit dem antisemitischen Massenmord der Shoah verbunden bleibt, sondern verabschiedet sich als Institution auch von jeder Einsicht in die Dialektik der Aufklärung – jedenfalls aber vom Gedächtnis an das handfeste Scheitern von Universität und Bildung im Nationalsozialismus.
Denn an der Architektur des neuen Campus lässt sich das Elend einer Vergangenheitsbewältigung ablesen, die sich jeder Reflexivität vermauert. Die letzten Reste werden abgeschafft, die noch übrig sind von einer „Aufklärung, die ein geistiges, kulturelles und gesellschaftliches Klima schafft (…), in dem die Motive, die zu dem Grauen geführt haben, einigermaßen bewußt werden“ (Adorno). Mit der Campus-Führung soll anschaulich werden, warum der “Palast des Geistes” (Präsident Steinberg) im Westend nichts anderes ist als das Phänomen einer umfassenden De-Education.

Gegenwart_Monowitz
Ein Vortrag zu Gegenwart und Geschichte des Konzentrationslagers der IG Farben
am Donnerstag, 01.11.2012 um 19 Uhr im Raum 454 auf dem IG Farben Campus

Auschwitz III-Monowitz war das erste von privaten Unternehmen eigens gegründete Konzentrationslager. Monowitz wird in der historischen Betrachtung und gesellschaftlichen Wahrnehmung oftmals vernachlässigt behandelt und ist auch nicht Teil der offiziellen staatlichen Gedenkstätte Auschwitz.
Der Vortrag zeigt verschiedene Perspektiven auf das Konzentrationslager Auschwitz III -Monowitz, welches in Oświęcim von der IG Farben 1942-1945 betrieben wurde. Zunächst wird die Geschichte dieses Lagers und der Zusammenhang mit der IG Farben (damals mit Hauptsitz auf dem heutigen IG-Farben Campus in Frankfurt) beleuchtet. Ergänzt wird diese Perspektive durch Ausschnitte aus dem Zeitzeugenbericht von Tibor Wohl. Schließlich werden Bilder von Monowitz heute und damals gezeigt und der Frage nachgegangen: Was ist heute noch von der Gegenwart des KZ Monowitz in dem Dorf Monowice zu finden? Die im Rahmen zweier Studienfahrten (Oktober 2011/September 2012) gemachten Erfahrungen und Bilder versuchen diese Frage zu beantworten.

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Buch & Kritik 2012

„Alles falsch. Auf verlorenem Posten gegen die Kulturindustrie“ Buchpräsentation mit dem Herausgeber Dirk Braunstein (Bochum).
Freitag, 12.10.12, 20 Uhr, Raum IG 311 im I.G.Farben-Haus der Universität Frankfurt, Grüneburgplatz 1

Während es üblich geworden ist, innerhalb der Kulturwaren zu differenzieren, um so deren vermeintliche Freiheitspotentiale zu entdecken, läßt sich die Kulturindustrie als das kritisieren, was sie ist: Produkt und zugleich Produzentin des falschen Ganzen, als das sie Adorno zu seiner Zeit verurteilte. Konnte er jedoch noch damit rechnen, durch Übertreibung ihre Wahrheit zu treffen, hat die Kulturindustrie unterdessen ihren eigenen Superlativismus übertroffen.

Wenn sich die deutsche kulturschaffende Intelligenz mit demjenigen befaßt, der die Kulturindustrie zuallererst auf ihren Begriff brachte, wird es finster im Lande. Mit dem hundertsten Geburtstag Adornos im September 2003 war ein gerne genutzter Anlaß gefunden, die Kritische Theorie der Gesellschaft auf das eigene Niveau des unverbindlichen Geschwätzes herunterzuziehen und den Philosophen und Soziologen Adorno zum »Teddie« sowie das bestehende Elend zur besten aller Welten zu machen: Kapitalismus, Barbarei, Auschwitz – alles halb so wild und Adorno ein unverbesserlicher Pessimist und Miesmacher.
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