Arbeit macht tot – eine Veranstaltungsreihe

Arbeit macht tot – Eine Veranstaltungsreihe zu Zwangsarbeit, dem KZ Monowitz und dem Kampf um Entschädigung

Ab Mitte Januar präsentiert der AStA mit Unterstützung mit der Initiative Studierender am IG-Farben-Campus die Vortragsreihe „Arbeit macht tot – Eine Veranstaltungsreihe zu Zwangsarbeit, dem KZ Monowitz und dem Kampf um Entschädigung“.

„Arbeit macht tot“: unter diesem Titel veröffentlichte Tibor Wohl seinen Bericht über Zwangsarbeit im KZ Auschwitz III-Monowitz. Er verweist damit auf die nationalsozialistische Parole „Arbeit macht frei“ und enttarnt ihren praktischen, menschenverachtenden Kern. Systematisch wurde die „Vernichtung durch Arbeit“ im KZ Monowitz betrieben, dem ersten das auf privatwirtschaftlicher Initiative – der IG Farben AG – entstand. In den 1950er Jahren wurde der Kampf um Entschädigung der Zwangsarbeiter in Nachkriegsdeutschland von Norbert Wollheim mit einer Musterklage gegen die IG Farben AG eingeleitet.

Die Veranstaltungsreihe beschäftigt sich mit Zwangsarbeit im Dritten Reich, der Geschichte und Gegenwart des Konzentrationslagers Auschwitz III-Monowitz und dem Kampf um Entschädigung.

Vortragsreihe:

Montag 21.01. um 18 Uhr, Café KoZ
„Auf Spurensuche in Monowice – ein vergessenes Konzentrationslager in Auschwitz?“ von Judith Hoehne (Stellvertretende Leiterin der Bildungs- und Programmabteilung der Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Oświęcim/Auschwitz)
Auf den Ruinen des Ortes Monowice wurde im Herbst 1942 ein weiteres Konzentrationslager im Bereich Auschwitz eröffnet. Dies war das erste von einem privaten Industrieunternehmen geplante und finanzierte Konzentrationslager, das ausschließlich für die Zwangsarbeit von Häftlingen – auf der Baustelle für die Buna-Werke der IG Farben – vorgesehen war. Heute ist der historische Ort kein Bestandteil der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau – vor Ort sind nur noch wenige Überreste zu besichtigen. Die Auseinandersetzung mit diesem Teil der Geschichte von Auschwitz ist vor allem auch eine Auseinandersetzung mit dem Verhältnis der deutschen Industrie zur Vernichtungspolitik des nationalsozialistischen Regimes.

Mittwoch 23.01. um 18 Uhr, Café KoZ
„Klagen gegen Deutschland? Entschädigungspolitik im Recht“ von Maximilian Pichl (arbeitskreis kritischer jurist_innen)
Über 40 Jahre lang kämpfte der jüdische Zwangsarbeiter Hugo Princz für Entschädigungszahlungen. Während der Nazi-Zeit wurde er durch die IG Farben AG als Zwangsarbeiter in Auschwitz eingesetzt. Sein Prozess markierte den Auftakt von zahlreichen Gerichtsverfahren gegen deutsche Unternehmen und die Bundesrepublik Deutschland aufgrund von Verbrechen während der NS-Zeit. Die völkerrechtliche Staatenimmunität verhindert dabei die Durchsetzung menschenrechtlicher Ansprüche. Trotzdem erzeugen die Gerichtsprozesse eine politische Öffentlichkeit, die es ohne den juristischen Weg nicht geben würde. Im Fokus des Vortrags stehen diese Ambivalenzen des Rechts und ihre strategische Nutzung für die Aufarbeitung von Menschenrechtsverbrechen. Dargestellt werden Verfahren von Zwangsarbeiter_innen aus der NS-Zeit vor amerikanischen Gerichten und dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag sowie die Klagen der Herero gegen Deutschland aufgrund des Genozids von 1904 – 1907. Die BRD versucht bis heute Entschädigungszahlungen abzuwehren und leugnet deutsche Verbrechen während dem Kolonialismus und dem NS – unter Mitwirkung einer staatstragenden Rechtswissenschaft und Rechtsprechung.

Montag 28.01. um 18 Uhr, Café KoZ
„Ökonomische Aspekte der Zwangsarbeit 1933 – 1945“ von Christian Hartz (freier Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme)
Zwangsarbeit in der NS-Zeit war ein über Jahrzehnte vernachlässigtes Thema. Mit der Entschädigung der Zwangsarbeiter/innen der Industrie kamen die historischen Dimensionen teilweise zum Vorschein. Bis zum Jahr 2007 wurden laut der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ an ca. 1,66 Millionen Personen eine Summe von 4,4 Mrd. € ausgezahlt. Nichtsdestotrotz sind viele Bereiche der Zwangsarbeit, besonders deren ökonomische Aspekte, auf die im Rahmen des Vortrags eingegangen wird, weitgehend unbekannt.

Mittwoch 30.01. ab 18 Uhr, Café KoZ
„Die Auschwitz-Überlebenden im Kampf um Entschädigung und Strafverfolgung der Täter“ von Katharina Stengel (freie Mitarbeiterin des Fritz Bauer Instituts)
Als die Auschwitz-Überlebenden in den 1950er Jahren begannen, um Entschädigungszahlungen für die in Auschwitz geleistete Zwangsarbeit zu streiten, standen sie nicht nur der westdeutschen Politik und Industrie gegenüber. Auch zwischen verschiedenen Gruppen ehemaliger Häftlinge entstanden Konflikte, die ihren Ursprung in unterschiedlichen Verfolgungserfahrungen, verschiedenen Perspektiven auf die Lagergeschichte und aktuellen politischen Orientierungen hatten. Mehr Einigkeit herrschte bei den Versuchen der Auschwitz-Überlebenden, die Strafverfolgung der Täter in der Bundesrepublik zu forcieren. Diese Bemühungen stießen zwar ebenso auf große Widerstände, konnten aber letztlich sehr viel mehr öffentliche Resonanz erzielen als die Entschädigungsforderungen.

Weitere Informationen unter:
AStA der Goethe-Universität: http://asta-frankfurt.de/aktuelles/arbeit-macht-tot-eine-veranstaltungsreihe-zu-zwangsarbeit-monowitz-dem-kampf-um
Initiative Studierender am IG-Farben-Campus: https://initiativestudierenderamigfarbencampus.wordpress.com/

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