NAMENSLESUNG IN GEDENKEN DER OPFER DER IG FARBEN | SIEBZIGSTER JAHRESTAG DER BEFREIUNG VON AUSCHWITZ

Der 27. Januar ist der Jahrestag der Befreiung der Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz durch die Rote Armee und internationaler Holocaust-Gedenktag. An diesem Tag soll hier, dem ehemaligen Hauptsitz der I.G. Farben (Interessengemeinschaft Farbenindustrie AG), an die Ermordeten und wenigen Überlebenden von Buna/Monowitz, dem Konzentrationslager, das die I.G. Farben direkt neben Auschwitz betrieben haben, erinnert werden.

In Auschwitz gab es nicht nur ein Lager sondern drei Hauptlager und unzählige Nebenlager. Eines dieser Hauptlager, das KZ Auschwitz III Monowitz, auch Buna/Monowitz, auf dem Gebiet des zuvor abgerissenen Dorfes Monowice, wurde von der I.G. Farben AG zusammen mit der SS ab April 1940 errichtet und finanziert. Die dort, zumeist als jüdische Häftlinge inhaftierten, mussten auf der benachbarten Baustelle der IG Farben Zwangsarbeit leisten. Der Name des Konzentrationslagers Buna/Monowitz leitete sich von der Bezeichnung für künstlichen Kautschuk, »Buna« (von Butadien und Natrium), ab. »Buna« war ein seit 1927 von der I.G. Farbenindustrie patentierter synthetisch erzeugter Kautschuk.

Die ersten Häftlinge kamen im Oktober 1942 aus den KZ Buchenwald, Sachsenhausen, Dachau und den Niederlanden. Aufgrund der Zustände in Auschwitz lebten Häftlinge durchschnittlich nur drei bis vier Monate – wer nicht erschlagen oder tödlich verunglückt war, wurde, wenn er der SS und den I.G. Farben-Angestellten als zu entkräftet zur weiteren Zwangsarbeit auf der Buna-Werk-Baustelle erschien, im Krankenbau oder bei den täglichen Appellen selektiert und in das Vernichtungslager Birkenau »zurück überstellt«. Der nationalsozialistische Begriff »Überstellung«, angeblich in das sogenannte Krankenbaulager BIIf, bedeutete für die selektierten Häftlinge den Tod in den Gaskammern.

Etwa 30.000 Menschen haben die Qualen dieser Zwangsarbeit, den Hunger und Terror der alltäglichen und unalltäglichen Schrecken des Lagers nicht überlebt. Auschwitz III Monowitz wurde am 18. Januar 1945 »evakuiert« und etwa 9.000 Gefangene wurden auf einen Todesmarsch getrieben. Weitere 800 schwer kranke Häftlinge wurden ihrem Schicksal überlassen. Viele von ihnen konnten am 27. Januar von der Roten Armee befreit werden.

Der Hauptverwaltungssitz dieser I.G. Farben AG, die damit für das Leiden und den Tod zehntausender Menschen (mit)verantwortlich ist, befand sich in Frankfurt am Main, am heutigen Grüneburgplatz 1, der jetzt Norbert-Wollheim-Platz 1 heißen wird; befand sich also in dem Haus, in dem heute die Goethe-Universität ihren Platz hat: dem IG Farben Haus.

Der Initiative Studierender am IG Farben Campus und ihren Unterstützerinnen und Unterstützern ist es wichtig, und besonders heute am 27. Januar, auf die Verbindung aufmerksam zu machen, die dieser Ort mit Auschwitz hat; verbunden ist damit die Frage was Studieren nach Auschwitz heißen kann, im Allgemeinen, aber in diesem Gebäude, an diesem Ort im Besonderen.

Die Namen aller Menschen, die sich in Buna/Monowitz zu Tode arbeiten mussten und ermordet wurden, lassen sich heute nicht mehr zusammentragen. Wir lesen daher aus den verbliebenen Überstellungslisten, den sogenannten Verlegungsmeldungen des Häftlingskrankenbaus von Buna/Monowitz, die vermutlich von Häftlingen versteckt und damit vor dem Versuch der SS, in den letzten Stunden des Lagers soviel Beweismaterial wie möglich zu vernichten, bewahrt wurden. Kopien dieser Verlegungsmeldungen von Januar 1943 und Dezember 1944 lassen sich den Materialien zum Frankfurter Auschwitzprozess von 1963 entnehmen und sind uns durch das Archiv des Fritz Bauer Institutes, das sich hier im Haus befindet, zugänglich.

 

Initiative Studierender am IG Farben Campus
27. Januar 2015

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